Entstehung

Herz Jesu Biebrich
Herz Jesu Biebrich - Foto: Christoph Köhl

Am 22. Sept. 1898 wurde die Herz-Jesu-Kirche in der Gibb in Wiesbaden-Biebrich von dem Limburger Bischof Domenikus Willi eingeweiht. 
Das neue Gotteshaus war eine Stiftung von Fräulein Eugenia Kreitz, einer Tochter des Uhrenfabrikanten und Millionärs Hubertus Kreitz, der sein Vermögen in St. Petersburg erworben hatte und seinen Ruhestand in Biebrich verbringen wollte. Er war ein großer Gönner der Katholischen Gemeinde St. Marien in Biebrich. 
Frl. Eugenia Kreitz hatte ihr Lebenswerk darin gesehen, in der Nachfolge ihres Vaters der armen Gemeinde mit dem Geld aus ihrer Erbschaft zu helfen und sie zu unterstützen. 
Die in Biebrich entstehende Industrialisierung führte zu einem Zuwachs der katholischen Bevölkerung im nördlichen Teil des Ortes. Daher sollte dort eine zweite Kirche entstehen, um die seelsorgerliche Betreuung zu fördern und zu gewährleisten. 

Deshalb stiftete sie neben dieser Kirche ein Pfarrhaus und ein Küsterhaus, später übereignete sie der Gemeinde noch ihre Villa als Schwesternheim, Kindergarten und Altersheim. 

Unsere Kirche ist auf Wunsch der Stifterin dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. 
Eine Statue steht direkt über dem Eingang am Turm, die Herz-Jesu-Kapelle ist vom Vorraum aus gleich links erreichbar und hier steht eine traditionelle Herz-Jesu-Statue. 
Eine moderne Herz-Jesu-Figur wurde 1984 von Fr. Pekar gestaltet und ist jetzt an der Wand über dem Seitenaltar rechts befestigt. 
Sehenswert sind auch die Fenster in unserer Seitenkapelle, die eine Herz-Jesu-Darstellung im Stil der Entstehungszeit unserer Kirche zeigen.

Der Bau

Herz Jesu Biebrich
Herz Jesu Biebrich - Foto: Stefan Fuidl

Die Pläne zum Bau unserer Kirche im Neugotischen Stil wurden von dem Lehrer Meißner von der Baugewerkschule in Idstein erstellt. 
Die Kirche wurde als Backsteinbau in Kreuzform mit einem einschiffigen Längs- und einem Querschiff errichtet. Länge: 45 m, Breite: 12 m im Lichten, Höhe des Schiffes bis zum Gewölbe 13,70 m, Höhe des Kreuzschiffes 15,30 m. 
In der Breite von 12 m galt der Bogen des Gewölbes damals als der weiteste und gespannteste aller einschiffigen Kirchen in Deutschland. 
Die Kreuzform – das Kreuz Christi als Grundriss, eine Basis nicht als Siegeszeichen und majestätischen Machtnachweis, sondern das Kreuz als fundamentale Aussage von Hingabe, Aufopferung und Leiden. Aber auch als Hinweis darauf, dass der Tod Jesu am Kreuz nicht das Ende war, sondern durch die Auferstehung überwunden wurde. 
Die Kirche ist nach Osten ausgerichtet, der aufgehenden Sonne entgegen – dem Symbol des auferstandenen Christus. 

Im Inneren war sie ursprünglich – dem Neugotischen Stil entsprechend – reich ausgemalt und ausgestaltet. 
1955 wurde bei der ersten Renovierung unter Hr. Pfr. Thies der Innenraum dem Zeitgeschmack ent¬spre¬chend umgestaltet und die noch vorhandenen Kriegsschäden beseitigt. Die Neugotik war als Kunstrichtung nicht mehr angesehen, galt als überladen. Der Kirchenraum sollte sich durch schlichte Würde auszeichnen, jeglicher Prunk musste weichen. 

Die im zweiten Weltkrieg beschädigten Fenster im Altarraum wurden durch neue Motivfenster ersetzt. Dabei wurde das mittlere Fenster wegen der starken Blendung zugemauert. 
Auf dem linken Fenster wird ein Pelikan mit seinen Jungen dargestellt, ein Hinweis auf den Opfertod und die Auferstehung Jesu. 

Fische und Brot beim rechten Fenster weisen hin auf die Brotvermehrung und die Eucharistie. 

Als 1990/91 die erneut erforderliche Renovierung erfolgte, war jetzt das Bestreben, die neugotischen Elemente soweit wie möglich wiederherzustellen. 
Die übertünchten Wandmalereien wurden z. T. nach den alten Vorlagen im neugotischen Stil ersetzt. Auch der Kreuzweg wurde restauriert und die Reliefs farbig gefasst wieder an den Seitenwänden angebracht. 
Man hat bei der Gestaltung des Innenraumes nicht nur der Neugotik zurückgegeben, was ihr zustand, sondern hat auch die Moderne Kunst gelungen in den Bau eingegliedert. Ihr wurde mit der Gestaltung des Altarraums das wichtigste sakrale Element des Raumes zugesprochen. 
Anstelle des früheren Hochaltars bekam jetzt das von dem Bildhauer Hubert Elsässer geschaffene Retabel (Tafelbild mit Tabernakel) sowie die restaurierte Kreuzigungsgruppe einen würdigen Platz. 
„Glücklich der Mann, der seine Heimat in Gott gefunden hat und wie ein Baum ans Wasser gepflanzt ist.“ 
Diese Worte des ersten Psalms haben Hubert Elsässer zu seinem Werk inspiriert. 
Die Ströme lebendigen Wassers - gespeist aus Blut und Wasser, die sich aus der Wunde Jesu am Kreuz und aus der Herzwunde des Lamm Gottes auf dem Tabernakel ergießen - finden sich genauso wieder wie das stilisierte Wurzel- und Blattwerk. 
Aber auch die Elemente einer Stadt, die den Hostienschrein seitlich zieren, „das Haus Gottes unter den Menschen“, haben ihre biblische Entsprechung (das neue Jerusalem aus der Apokalypse). 
Am Ambo - dem Platz, an dem Lesung und Evangelium vorgetragen und die Predigt gehalten wird - ist eine Hand zu sehen, die Hand des Sämanns, der als Samen das Wort Gottes aussät. Die gute Frucht, der Halm mit der Ähre, wächst ihr entgegen. 
Die Ähren und Weintrauben am Altar deuten hin auf die Eucharistie, den Opfertod Jesu, die Verwandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut. 

Die Trauben-Madonna wurde 1960 von dem Kiedricher Bildhauer Anton Krams aus naturbelassenem Lindenholz geschaffen. Die Weintrauben sind gleichzeitig ein Tribut an den Rheingau und seinen weltberühmten Weinanbau. 
Die Abbilder der 12 Apostel mit Christus als dem Imperator (Weltenherrscher,-richter) 
an der Orgelempore begleiten uns, wenn wir die Kirche wieder verlassen. Sie geben uns Trost und Hilfe auf unserem Weg in den Alltag, zeigen uns, dass wir unseren Weg nicht alleine gehen müssen. 

Die auf der Rückseite der Kirche in einer offenen Kapelle untergebrachte Pieta fand 1955 ihren jetzigen, damals neu gestalteten Platz und wurde als Gedächtnisstätte für die Gefallenen und Opfer beider Weltkriege geweiht. 

Eine Kirche - keine Wartehalle, kein Konzertsaal. 
Ein Ort mit einem besonderen Geist. „Haus Gottes" sagen manche. 
Ein Haus des Gebetes, des Lobpreises, des Dankes Gott gegenüber 
und der Ort, wo Bitten und Sorgen vor Gott getragen werden.

verfasst von: Frau Mudrich