Das Fest Mariä Aufnahme in den Himmel und der Brauch der Kräutersegnung

Das Fest Mariä Aufnahme in den Himmel, volkstümlich auch „Mariä Himmelfahrt“ genannt, wird am 15. August von der Kirche gefeiert. Im Zentrum des Hochfestes steht die innige Beziehung Mariens zu ihrem Sohn. Leibliche Aufnahme bedeutet: unser ganzer Leib, unsere ganze Geschichte, mit Narben und Verletzungen - all dem, was wir sind und geworden sind, ist Aufnahme verheißen. Verheißung hat auch immer mit der Bereitschaft zu tun, sich auf Gottes Pläne einzulassen, Gott in sein Leben auf-zunehmen. Maria ist das Urbild des ganz erlösten Menschen, an dem bereits erfüllt ist, worauf die übrigen Christen bis ans Ende der Zeiten noch warten.

In der Ostkirche feiert man schon seit 450 den Heimgang Marias, in der römischen Kirche ist das Fest seit dem 7. Jahrhundert bezeugt. Papst Pius XII. hat am 1. November 1950 die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel als Glaubenssatz verkündet. An diesem Fest lädt die Mutter aller Gläubigen uns ein, in Wort und Tat eine tiefere Beziehung zu ihrem Sohn zu suchen.

Die Verbindung der Kräutersegnung mit dem Marienfest hat verschiedene Wurzeln. In zahlreichen Legenden wird beispiels-weise erzählt, dass man im Grab Mariens nur noch ihre Leichentücher und wunderbar duftende Blumen und Kräuter vorgefunden habe. Die Legende der heiligen Gertrud von Helfta (1256 – 1302) erzählt von einer Vision der Mystikerin, in der sie die sterbende Jungfrau Maria in einem Garten umgeben mit allen Arten wohlriechender Blumen sah. Diese Bilder haben auch Eingang in Kunst und Literatur gefunden, in denen Maria immer wieder mit Blumen verglichen wird, als „Lilie des Feldes“ oder als „Rose ohne Dornen“. Die Volksfrömmigkeit machte Maria zur „Königin der Blumen“, „Beschützerin der Feldfrüchte“, „Kornmutter“ und „Traubenmadonna“.

Die Kräuterweihe wurde bereits im Konzil von Ephesus von 431 und von dem fränkischen Bischof Gregor von Tours (594) erstmalig erwähnt, und ist spätestens seit dem 9. Jahrhundert mit dem Marienfest fest verbunden. Zu den überlieferten Formen der Festgestaltung gehörten Kräuterweihen und Prozessionen. Die vom Priester gesegneten und in den Häusern aufbewahrten Kräuter wurden zur Abwehr von Krankheiten oder bedrohlichen Situationen wie Unwettern benutzt

Seit der Zeit Karls des Großen (8./9.Jhdt.) ist im deutschsprachigen Raum für dieses Fest eine Kräutersegnung bezeugt, die es bis heute an vielen Orten gibt. Heilkräuter werden zu einem Strauß gebunden, in der Kirche gesegnet und dann zu Hause aufbewahrt.

Welche Pflanzen und Blumen man für das Kräuterbündel verwendet, ist in den einzelnen Regionen ganz unterschiedlich. Hier spielen naturgemäß die jeweiligen klimatischen bzw. landschaftlichen Verhältnisse eine große Rolle. Aber auch von Ort zu Ort kann dies traditionell stark differieren, so dass es keine allgemein verbindliche Regeln gibt.
Grundsätzlich kann alles genommen werden, was man an Heilendem und Schmückendem in Wald und Flur oder auch im heimischen Garten findet, und was einen Bezug zu der Gottesmutter Maria, die als "Heil der Kranken" verehrt wird, herstellen kann. Die sog. "heilige Zahlen" der verwendeten Pflanzen, wie die Drei, die Sieben oder die Zwölf können dabei die Symbolkraft des Kräuterbündels verstärken.

Im Zeichen einer wiedergefundenen Wertschätzung von Heilkräutern macht es durchaus Sinn, den Brauch der Kräutersegnung wieder zu pflegen. Wenn die Kräuter im Gottesdienst gesegnet werden, so soll dies der Dank an Gott für die Kräuter mit ihren heilenden Kräften sein, die als Sinnbilder stehen für das gesamte Heil, das Gott uns schenkt, und auch als Dank an Maria, die ja, indem sie sich dafür entschieden hat, die Mutter Gottes zu werden, dem Heil in der Person von Jesus Christus den Weg in unsere irdische Welt bereitet hat.

In unserer Kirche werden am Sonntag, dem 17. August, Kräuter geweiht, die bereitgestellt werden und von den Gemeindemitgliedern mit nach Hause genommen werden können.

verfasst von: Frau Elisabeth Mudrich